Verwöhntes

Einzelkind

Nach einer Woche schien der Fleck nicht mehr sehr groß zu sein. Ein Versuch wurde gestartet und Zangzang auf den Balkon gesetzt. Sie trudelte mehr als sie flog und landete irgendwo in den Vorgärten. Wo war sie? Drei Familienmitglieder suchten sie und riefen sie. Sie gab keinen Ton von sich. Nur die Elstern hörten wir. Bis ich hustete. Da vernahm man laut und deutlich ihr „Zangzang“. Man möge es sich einfach mal im Kopf vorstellen. Drei erwachsene Leute laufen hustend an den Vorgärten entlang und suchen eine Amsel. „Öhö, öhö“ „Zangzang“...
Sie saß auf der Terrasse eines Nachbarn und die Elster im Baum über ihr. Kurzerhand schellte meine Tochter bei dem bislang unbekannten Nachbarn und erklärte, sie müsse mal auf seine Terrasse, unsere Amsel säße dort.

Ein halbes Jahr später sind wir Gott sei Dank umgezogen. Zangzang ließ sich weiterhin verwöhnen. Einen Tag bevor wir in den Urlaub fahren wollten erhielten wir den Tipp, dass in Düsseldorf Gerresheim mitten im Wald eine Auswilderungsstation für Vögel sei. Dort hat man ein fachmännisches Auge und stellte fest, dass Zangzang eine ganz schön verwöhnte Blage war. Man hat ihr sozusagen „betreutes Wohnen“ erlaubt. Sie gesellte sich zu einer Schar Vögel, die ringsum in den Bäumen verteilt war. Alle versammelten sich in einem „Futterbaum“, wenn sich die Pflegerin mit einer riesigen Schüssel voll Pampe unter den Baum stellte. Dieser Anblick war so einmalig, dass ich schon zweifelte, den richtigen Beruf ergriffen zu haben.